Trauerarbeit Kinder und Jugendliche

Die Trauerarbeit mit Kindern und Jugendlichen im Haus Emmaus ist ein Teilbereich des Gesamtkonzeptes des Ambulanten Hospiz- und palliativen Beratungszentrums.
 
Nimm mich so wie ich bin
Wenn du mich so annimmst, wie ich bin, fühle ich mich sicher.
Dann kann ich ganz offen mit dir reden und auch meine Gefühle zeigen.
Ich muss noch viel Lernen; das ist manchmal gar nicht so einfach.
Dabei brauche ich deine Hilfe.
Unsere schönsten Begegnungen sind, wenn du Zeit hast für mich, wenn du mir zuhörst,
wenn du mich mit meinen Fragen und Problemen ernst nimmst.
- Verfasser unbekannt -


Leitbild der Trauerarbeit mit Kindern und Jugendlichen

Bestimmend für unsere Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, die sich in einer Ausnahmesituation, dem Verlust eines geliebten Menschen befinden, ist der achtungsvolle Umgang mit ihnen sowie das würdevolle und wertschätzende Begleiten in einer schwierigen Lebenssituation.  
Für Kinder und Jugendliche ist der Tod oft nicht begreifbar. Das Erfassen der Endgültigkeit ist ein schmerzhafter Prozess, der sich über einen langen Zeitraum erstrecken kann. Diesen Weg wollen wir mit den Kindern und Jugendlichen gemeinsam gehen.
Wir wollen mit ihnen die Erinnerungen bewahren und neue Zukunftsaussichten erarbeiten, sie stärken und ihnen einen Raum zum Erinnern und Trauern bieten. Dabei begleiten wir die Kinder und Jugendlichen unabhängig von Religion, Herkunft und sozialem Status.  


Grundlage unseres Handels ist ein christliches und humanitäres Menschenbild angelehnt an Nächstenliebe und Beistand. Dabei stehen Kinder und Jugendliche, die einen Verlust erlitten haben genauso im Fokus unserer Tätigkeit wie Kinder, deren Eltern sterbend sind.
Wir öffnen uns einem immer noch tabuisierten Thema und sehen uns als Multiplikator sowie als öffentliche Institution, die sich den Themen Sterben, Tod und Trauer stellt.


Vermittlung von betroffenen Kindern und Jugendlichen

Grundsätzlich können alle Menschen, die Hilfe, Rat und Beistand brauchen, mit ihren betroffenen Kindern und Jugendlichen im Haus Emmaus einen Ort der Begleitung finden.
Unser Ambulantes Hospiz- und palliatives Beratungszentrum mit seinem Trauerland wird, neben den privaten Anfragen, durch folgende Institutionen empfohlen:

•    Kinderärzte
•    Kinder- und Jugendpsychologen
•    Jugendamt
•    Gesundheitsamt
•    Seelsorger in den Gemeinden
•    Pastoren
•    Ambulante  Institutionen  

Es bleibt festzustellen, dass wir unsere momentane Kapazität an Kindern und Jugendlichen ausgeschöpft haben. Jedoch arbeiten wir rege daran, Ehrenamtliche für diesen Bereich zu sensibilisieren und grundlegend zu qualifizieren, um einen weiteren Ausbau zu gewährleisten.
Akutfälle werden natürlich immer angenommen.


Gestaltung der Nachmittage

Die grobe inhaltliche Gestaltung und die Abläufe werden von dem Arbeitskreis gemeinsam festgelegt und auch von der Kinder- und Jugendpsychologin Frau Horstmeier geprüft.
Die Koordinatorin bereitet jeden Nachmittag mit den Kindern / Jugendlichen inhaltlich vor. Sie informiert die ihr zugeordneten ehrenamtlichen Mitarbeiter und führt diese ins Thema ein, bzw. leitet sie an.
Das Thema "Sterben" und "Tod" steht trotz all der Schwere und der damit verbundenen
Traurigkeit im Vordergrund der inhaltlichen Gestaltung. Behutsam geführte Gesprächskreise ermöglichen den Kindern und Jugendlichen, sich dem Thema in der Gruppe zu nähern. Da alle Kinder und Jugendliche ähnlich schmerzvolle Erfahrungen gemacht haben, sind die Offenheit und die Bereitschaft zu reden sehr hoch. Gleichzeitig werden kreative und künstlerische Ausdrucksmittel genutzt, um Gefühle darstellen zu können. Diese Mittel können von der Musik über das Malen und Schreiben bis hin zum Töpfern gehen. Sie ermöglichen jedem Kind ganz individuell seiner Trauer Ausdruck zu verleihen. Dem Schmerz soll die Möglichkeit gegeben werden, Form und Gestalt anzunehmen.
Gleichzeitig nutzen wir immer wiederkehrende Rituale, um Sicherheiten zu vermitteln. Ein Begrüßungsritual um eine gestaltete Mitte eröffnet jeden Nachmittag. Im Zentrum dabei befindet sich unsere Kerze, die von den Kindern mit ihrem Namen beschriftet wurde und somit als Gruppensymbol dient. Alle Teilnehmer sprechen offen und direkt ihre Bedürfnisse und Gefühle an. Nach der Eröffnung beginnt die kreative Gestaltungsarbeit. Jedoch sollte auch betont werden, dass wir bemüht sind, jeden Nachmittag in einer freundlichen, gelösten Atmosphäre zu beenden. Spielerische Elemente, die die Kinder selbstständig wählen, stehen hierbei im Mittelpunkt.


Zielsetzung für die Kinder und Jugendlichen


Wenn Kinder und Jugendliche in unmittelbare Berührung mit dem Tod kommen, so beeinflusst diese Erfahrung ihren gesamten weiteren Lebensweg.

Oftmals fühlen sie sich in ihrer Trauer alleingelassen und isoliert.  
Die Familie steckt in der eigenen Verarbeitung des Unausweichlichen und das soziale Umfeld reagiert häufig ratlos und zurückhaltend. Trauer kann jedoch nicht auf einen bestimmten Zeitraum beschränkt werden. Darum wollen wir den Kindern und Jugendlichen einen Raum geben, ihre Trauer zu benennen und somit die Gewissheit vermitteln, dass sie in ihrem Schmerz gehört werden.
Die Gruppenstruktur zeigt auf, dass dieses Unglück auch von anderen Gleichaltrigen erlebt wird und sie mit ihrem Schicksal nicht allein stehen. Trauer ist ein tiefes Gefühl, dass zum Leben gehört und das verbalisiert werden kann. Den Schmerz können wir nicht nehmen, jedoch können wir versuchen, einen Halt zu bieten.  
Gleichzeitig erhalten die Eltern in einer parallel verlaufenden Elternrunde die Möglichkeit des Austausches und des Miteinander in einer Umgebung, die ihnen Schutz und Wärme bietet. Somit begleiten wir Kinder und Jugendliche sowie deren Eltern ein Stück des Weges in der Verarbeitung ihres persönlichen Verlustes.


Räumlichkeiten

Mit großem Stolz haben wir vor zwei Jahren die Räume des Hauses „Emmaus“ bezogen. Hier haben wir die Möglichkeit, unsere Arbeit durchzuführen und als Anlaufstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern wahrgenommen zu werden. Jedoch haben wir nicht mit so einer großen Resonanz auf unsere Arbeit gerechnet. Obwohl uns das Haus „Emmaus“ als Heimat erhalten bleiben sollte, streben wir zusätzlich noch einen geschützten Rahmen für die Kinder und Jugendlichen an. In diesen Räumlichkeiten könnten speziell für diese Kindergruppen Rückzugsmöglichkeiten geschaffen werden, die sich nicht an spezielle Zeiten binden müssen, da die gegebenen Räumlichkeiten auch allen anderen Veranstaltungen des Hauses „Emmaus“ zur Verfügung stehen. Diese neuen Möglichkeiten eröffnen uns zusätzliche Kompetenzen in der Arbeit, die der Bandbreite und Vielfalt gerecht werden können.

     
Traumzauberbaum

Wichtig in der Arbeit mit trauernden Kinder und Jugendlichen sind, wie schon erwähnt, Rituale und Symbole, die den Kindern / Jugendlichen helfen, sich mit dem erlittenen Verlust zu identifizieren. Darum verfolgen wir die Idee eines „Traumzauberbaumes“, der speziell für die Trauerarbeit mit Kindern und Jugendlichen von unermesslicher Bedeutung sein kann. In diesem Baum spiegelt sich der individuelle Verlust der Kinder anhand von selbstgewählten Symbolen wieder. Somit entsteht nicht nur ein Traumzauberbaum sondern auch eine Art Geschichtenbaum.  Jedes Kind, jeder Jugendliche hat hier die Möglichkeit in einem geschützten Rahmen jedoch relativ offen zugänglich sein Symbol des Verlustes an den Baum anzubringen. Dadurch erzählen die Symbole die Erinnerungen der Kinder und Jugendlichen. Obwohl die Symbole nicht namentlich belegt werden, erkennt ein jedes Kind / Jugendlicher sein Symbol und kann sich damit identifizieren. Gleichzeitig erhoffen wir uns über die unterschiedlichsten Symbole ein lebensbejahendes kleines Kunstobjekt, welches unser Leitbild nicht besser wiederspiegeln kann.